150 Millionen Euro können fließen

Bad Saarow (10.04.2019) –  Elf teils größere, teils kleinere Hotels gibt es bislang in Bad Saarow. Nun kann die Zahl die Dutzend-Marke überschreiten. Der im Kurort bereits bekannte Investor Artprojekt darf sein zwei Hotels umfassendes Marina-Resort bauen. Die Gemeindevertretung hat am Montagabend den Weg dafür geebnet. Sowohl eine Änderung des Bebauungsplanes Saarow-Strand als auch ein Städtebaulicher Vertrag mit dem Unternehmen aus Berlin wurden einstimmig beschlossen.

150 Millionen Euro will Artprojekt in das Marina-Resort stecken, wie der geschäftsführende Gesellschafter Thomas Hölzel am Dienstag mitteilte. Damit übertrifft es bei weitem das ebenfalls von Artprojekt verantwortete und 20 Millionen Euro teure Wohn- und Geschäftszentrum Kurpark-Kolonnaden im Ortszentrum. Für eines der beiden Hotels, das als Fünf-Sterne-Haus klassifiziert werden soll, hat das Unternehmen den renommierten Architekten Sir David Chipperfield engagiert. Der Brite konzipierte unter anderem den Wiederaufbau des Neuen Museums auf der Berliner Museumsinsel. Das zweite Haus, das mit vier Sternen eingestuft werden soll, wird nach Plänen von Jürgen Mayer H. errichtet. Er entwarf unter anderem den durch seine Architektur bekannten U-Bahnhof Parasol im spanischen Sevilla.  Beide Hotels sollen etwa 80 Zimmer bieten.

Komplettiert wird der Komplex von vier Restaurants, Wochenend- und Ferienwohnungen sowie einer Marina mit etwa 130 Liegeplätzen. Als Betreiber der Hotels will Artprojekt selber auftreten. Hölzel rechnet damit, dass rund 100 neue Arbeitsplätze entstehen. Für die Mitarbeiter sollen in Bad Saarow etwa 60 neue Wohnungen „mit günstigen Mieten“ errichtet werden. Der genaue Standort dafür stehe noch nicht fest, so der Geschäftsführer. Baubeginn für das Marina-Resort soll nächstes Jahr sein, mit einer Eröffnung rechnet Hölzel 2022. Nächster Schritt sei nun die Arbeit am Bauantrag.

Ursprünglich wollte er bereits dieses Jahr loslegen, ehe sich die Verhandlungen mit der Gemeinde in die Länge zogen. Die Flächen des insgesamt etwa 75 000 Quadratmeter großen Wassergrundstücks entlang des Friedrich-Engels-Damms hatte Artprojekt bereits vor einigen Jahren erworben. Auf dem Areal befanden sich früher ein Campingplatz, das Neptunbad und das GST-Heim.

Alle Beschlüsse einstimmig

Dass es in der Gemeindevertretung eine Mehrheit für die Bebauungsplan-Änderung und den Städtebaulichen Vertrag geben würde, war im Vorfeld zu erwarten. Von der Einstimmigkeit der Beschlüsse zeigten sich einige, darunter Bürgermeisterin Anke Hirschmann, aber regelrecht überrascht. Diskutiert wurde in der Sitzung vor zahlreichen Besuchern im Bürger- und Vereinshaus fast gar nicht mehr.

Zuletzt war in zahlreichen Runden, teils in öffentlichen Sitzungen von Bauausschuss und Gemeindevertretung, teils in internen Beratungen, über die genauen Modalitäten debattiert und verhandelt worden. Dabei ging es unter anderem um die Dachformen und die Geschosshöhe der Gebäude. Gebaut werden darf nun teilweise mit Flachdächern, die Häuser erhalten teils drei, teils vier Etagen. So besagt es der geänderte Bebauungsplan.

Im Städtebaulichen Vertrag ist unter anderem festgelegt, dass auch die Öffentlichkeit vom Marina-Resort profitiert. So muss Artprojekt den derzeit verwilderten Badestrand des ehemaligen Neptunbades  für jedermann zugänglich machen und pflegen. WCs, Duschen, Umkleiden und ein Kiosk sind anzubieten. Bojen grenzen den Schwimmbereich ab.

Außerdem wird der Investor verpflichtet, den Fußweg zwischen Strandstraße und der künftigen Marina zu modernisieren. Auch eine Anlegestelle für die Dampfer der Scharmützelsee-Schifffahrt ist dort vorgesehen. Außerdem bleibt der Uferwanderweg durchgehend erhalten und öffentlich zugänglich. Lediglich nachts kann er aus Sicherheitsgründen verschlossen werden. Hölzel nannte das Vertragswerk am Dienstag einen „Kompromiss, mit dem wohl beide Seiten gut leben können“.

Bauantrag für Parkhotel liegt vor

Mittelfristig könnte die Zahl der Hotels in Bad Saarow sogar noch weiter steigen, auf dann 15. Für das seit vielen Jahren geplante, aber immer wieder mit Verzögerungen behaftete Parkhotel an der Ecke Seestraße/Am Kurpark liegt seit Juni vergangenen Jahres ein Bauantrag beim Bauordnungsamt des Landkreises Oder-Spree, wie Scharmützelsee-Bauamtsleiterin Simone Tannhäuser in der Gemeindevertretung mitteilte. Jörn Peters, Geschäftsführer des Hotels Landhaus Alte Eichen, hatte sich in der Einwohnerfragestunde nach dem aktuellen Stand erkundigt.

Bereits errichtet sind in Zusammenhang mit dem Parkhotel Teile des Bademantelganges, über den das Haus direkt mit der Saarow-Therme verbunden werden soll. Axel Walter, der Geschäftsführer der Kur GmbH, von der die Therme betrieben wird, äußerte sich gemischt zu dem Vorhaben, das in Bad Saarow von vielen mit zunehmender Skepsis verfolgt wird. „Der Investor tut einiges, aber nicht mit der nötigen Intensität“, sagte er. Finanziert wird das Parkhotel von einem Investor aus Russland.

Noch offen ist, ob das sogenannte Gesundheitshotel auf dem Areal des einstigen Schlosses Pieskow in Verlängerung der Dorfstraße kommt. Dort gab es zwischen dem Investor, der bereits einen architektonischen Entwurf öffentlich präsentiert hatte, und der Gemeinde zuletzt Uneinigkeit über Festlegungen im Rahmen einer Bebauungsplanänderung. Der Investor drohte daraufhin, sein Projekt zu stoppen, die Gemeindevertretung wollte dann wieder in Verhandlungen treten. Hinter dem Gesundheitshotel steht der Unternehmer Jürgen Kliche, der auch an den Kurpark-Kolonnaden beteiligt ist.

 

Quelle: MOZ, 10. April 2019